Der Umgang mit Katastrophen

Jeder, der unsere Geschichte ein bisschen verfolgt, weiß sicherlich, dass wir mit unserem Sohn Julian einen sehr unglücklichen Start in sein Leben hatte. Julian ist im Oktober 2013 unerwartet 10 Wochen zu früh zur Welt gekommen. Wir waren damals wegen einer Hochzeit in Hamburg und sind so in der Altonaer Kinderklinik gestrandet. Die Schwangerschaft mit Julian war unauffällig und somit hat uns die nachfolgende Zeit absolut überrannt. Julians Frühgeburt war gar nicht das Hauptproblem, sondern eine ungeklärte Erkrankung von ihm, die Ende November 2013 in der Aussage endete, dass Julian maximal 2 Jahre alt wird. Glücklicherweise hat es sich nicht bestätigt und Julian ist mittlerweile 6,5 Jahre und wuselt sich weiter durchs Leben.

Vergessen ist diese Anfangszeit allerdings nicht und in den Wochen der Unsicherheit damals sind wir mehr als einmal an unsere Grenzen gekommen. Nun erkennen wir einige Parallelen zur Situation mit den Einschränkungen bzgl. des Coranavirus:

  • Es brach plötzlich eine unvorhersehbare Situation auf uns ein, bei der nicht klar war, wie, ob und wann sie endet.
  • Sämtliche Pläne, Träume, Wünsche und Vorstellungen, die wir von der nächsten Zeit hatten, lösten sich plötzlich ins Nichts auf.
  • Jeden Tag kamen neu Hiobsbotschaften dazu und wir haben uns gefragt, wie viele davon wir noch verkraften können. Bei jeder neuen Meldung gab es neue Facetten, die wieder eine Veränderung zur Folge hatte.
  • Selbst die besten Spezialisten konnten keine treffenden Vorhersagen machen, wie es weitergeht.

Mittlerweile hat sich vieles bei uns eingespielt und es ist längst nicht so schlimm eingetreten wie befürchtet. Im Gegenteil, es sind z.B. mit der Gründung unseres Pflegedienstes Team DAVID neue positive Aspekte mit rein gekommen.

Insgesamt erleben wir die aktuelle Situation wegen des Coronavirus als wesentlich weniger bedrohlich als die Zeit damals. Dennoch weist sie tatsächlich Parallelen auf, so dass wir uns überlegt haben, was uns damals geholfen hat und was nun auch hilft. Hier also unsere Tipps – ergänzt um ein paar Anregungen speziell für die Corona-Situation:

  • Versuche im aktuellen Moment zu leben. Draußen scheint die Sonne und der Frühling erwacht in einer unglaublich schönen Weise. Nimm das an und genieße z.B. die frische, klare Luft.
  • Lebe von Tag zu Tag. Überlege genau, was heute wichtig ist. Kümmere dich nicht darum, was morgen evtl. sein könnte. Das sind alles ungelegte Eier und vermutlich kommt es eh wieder ganz anders als du es dir heute ausmalst. Bleibe bei diesem heutigen Tag und gestalte ihn so, wie er für dich angenehm ist.
  • Nutze die evtl. freigewordene Zeit, die liegen gebliebenen Aufgaben zu Hause zu erledigen – dein Schrank oder Keller freut sich bestimmt. Lies Bücher, die du schon immer mal lesen wolltest. Pack Spiele und Handarbeiten aus, die seit Jahren in der Ecke liegen. Nutze die Online-Angebote, die jetzt überall aus dem Boden sprießen.
  • Lies und höre und gucke auf jeden Fall nur seriöse Informationen. Kümmere dich nicht um irgendwelche Fake-News. Das führt zu gar nichts und macht dich nur unruhiger.
  • Aber: Mach auch genügend Pausen. Lies nicht ständig alle Nachrichten, Pressekonferenzen und Podcasts, die es zu dem Thema gibt. Sonder lege alles immer mal wieder bewusst an die Seite und genieße den Moment.
  • Erstelle dir einen Tagesplan, um den Tag für dich und deine Familie gut zu strukturieren. Plant für jeden die Ruhephasen ein, die er benötigt, damit ihr keinen Lagerkoller bekommt. Plant Zeiten draußen und mit Sport ein.
  • Haltet euch an den Plan! 🙂
  • Halte dir vor Augen, dass es sich wieder verändern wird. Auch wenn wir uns aktuell nicht vorstellen können, wie es nach dieser Krise weitergeht. Eins ist sicher: Es geht weiter. Immer wieder. Jeden Tag geht die Sonne wieder auf und es beginnt ein neuer Tag.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag!

 

 

Beatmungsgerät

Wenn ich abends an der Zimmertür meines Sohns vorbeikomme, höre ich das leise regelmäßige Fauchen seines Beatmungsgerät. Für mich ist das mittlerweile ein sehr beruhigendes Geräusch. Dann weiß ich, dass er ruhig und tief schläft und die Beatmung zulässt. Für ihn ist das Gerät lebenswichtig, da er nur durch diese Ruhephasen in der Nacht, tagsüber so aktiv sein kann, wie er ist: Rollifahren; bis gestern in den Kindergarten gehen; Keyboard spielen; mir über den Fuß fahren, wenn ich ihm keine Bilder auf dem Handy zeige; immer wieder versuchen, die Figuren auf die Toniebox zu stellen; seinen Bruder anfauchen, weil der den Fernseher nicht schnell genug anmacht usw.

Dass das Geräusch nun so beruhigend für uns ist, war früher natürlich nicht. Als Julian geboren wurde – im Oktober 2013 – konnte er quasi gar nichts. Er kam 10 Wochen zu früh auf die Welt und hatte diverse Probleme. Er wurde von Beginn an beatmet und im Alter von 7 Wochen bekam er sein Tracheostoma – ein Schnitt in die Luftröhre, in die eine Kanüle gelegt wurde. Über diese Kanüle wurde er damals 24 Stunden lang voll beatmet. Das Geräusch des Krankenhaus-Beatmungsgerät war nicht so beruhigend. Ehrlich gesagt, mochte ich es nicht besonders, weil es mir gezeigt hat, dass mein Sohn die vermeintlich einfachste Sache des Lebens nicht konnte: Atmen.

Sobald das Beatmungsgerät abgemacht wurde oder sich Sekret im Hals gebildet hat, gingen schlagartig seine Herztöne und Sauerstoffsättigung herunter. Das hatte diverse Piepgeräusche vom Monitor zur Folge. Und ich erinnere mich auch noch zu gut an das hektische Getrappel der Füße sowie die knappen Rufe „Notfall in 1“ der Pfleger und Ärzte auf der Station.

Noch heute kenne ich jedes Geräusch von der Intensivstation. Mittlerweile schocken sie mich nicht mehr. Wir haben insgesamt 5 Monate auf zwei verschiedenen Intensivstationen verbracht und auch danach waren wir diverse Male da.

Was ich aber noch sehr genau weiß, ist das Gefühl, wenn man vor der Intensivstation steht. Dort standen wir viele, viele Male. Du klingelst, du wirst rein gelassen und du versuchst direkt anhand der Gesichter der Pfleger und/oder Ärzte herauszufinden, wie es deinem Kind kennt. Leider hatten wir – gerade zur Anfangszeit – sehr, sehr oft, besorgte Blicke der Pfleger/Ärzte und auch einige Male fast hilflose Blicke, weil niemand wusste, ob und wie es mit Julian weitergehen kann. Und die vielen Situationen, bei denen Julian echt kurz davor war, es nicht zu schaffen, können wir kaum noch aufzählen. Gerade die ersten Wochen waren eine absolute Achterbahnfahrt.

Ganz ehrlich – ich wünsche diese Erfahrung wirklich niemanden! Ein Beatmungspatient auf einer Intensivstation ist kein Spaß. Ja, wir haben viele Möglichkeiten in unserem Gesundheitssystem und wir haben wirklich viele wundervolle Menschen, die einen grandiosen Job machen und tagtäglich das Leben von Menschen retten. Aber wenn wir nur einen einzigen Menschen davor bewahren können, diese Erfahrung zu machen, dann sollten wir das tun!

Also: Bleibt möglichst zu Hause, wascht euch die Hände und kümmert euch um die, die eure Hilfe brauchen.

Julian im Fernsehen

Wow! Das war wieder eine spannende Woche. Letzten Freitag habe ich einen Beitrag zum Corona-Virus verfasst Julian und Corona – ein Aufruf und diesen auch bei Facebook veröffentlicht. Ich habe mich sehr gefreut, dass der Beitrag so gut angenommen wurde und zum aktuellen Zeitpunkt über 500 Mal geteilt wurde! Wahnsinn!!

Durch den Beitrag wurde eine Journalistin von SAT1.NRW auf uns aufmerksam. Sie schrieb uns am Wochenende an und fragte an, ob wir bereit wären bei einem Fernsehbeitrag mitzuwirken. Da wird im letzten Jahr schon ein paar Mal im Fernsehen waren, haben wir eingewilligt. Es klappte dann auch sehr spontan und wir verabredeten uns bereits für Montag. Wir sind erst ins Büro und haben dort unser Regal mit den Desinfektionsmitteln gefilmt.

Glücklicherweise haben wir aktuell noch genügend Desinfektionsmittel. Allerdings haben wir festgestellt, dass unser Lieferant die Preise stark erhöht hat!! Da haben wir echt nicht schlecht gestaunt. Eine 500-ml-Flasche Desinfektion kostete bis vor 2 Wochen um die 3 € – nun geht sie für 28 € über den Tisch.  Glücklicherweise haben wir sie noch für den alten Preis bekommen. Der Paketbote, der das Paket brachte, wusste vermutlich nicht, welche kostbare Fracht er dort mit gebracht hat. Früher hatte man Sorge, dass das iPhone-Paket geklaut wurde – heute ist es Desinfektionsmittel. Es ist echt verrückt.  Mittlerweile weist unser Lieferant sogar auf seiner Webseite auch daraufhin, dass es nicht sinnvoll ist, Unmengen an Desinfektion zu kaufen.

Was uns allerdings tatsächlich bald ausgeht, ist der Mundschutz. Und da sind wir nicht die einzigen – auch die Krankenhäuser vermelden geringere Bestände und Nachschubprobleme. Der Mundschutz schützt ja nicht die Pflegefachkraft, die ihn trägt vor dem Virus, sondern den Patienten – in diesem Fall Julian -, dass er nicht angesteckt wird. Übrigens egal mit welchem Keim. Wir vermeiden ja auch, dass Julian eine Erkältung oder die normale Grippe oder ähnliches bekommt.

Den Großteil der Dreharbeiten fanden bei uns zu Hause statt. Die Journalistin hat erst Philipp und mich interviewt. Nach unserer Erfahrung im letzten Jahr wussten wir ja schon, dass wir beim Antworten nicht in die Kamera schauen sondern die Journalistin anschauen. Es ist dennoch immer wieder sehr ungewohnt, den Sachverhalt vernünftig darzustellen.

Als Julian um kurz vor 16 Uhr aus der KITA zurückkam, gab es noch Bilder und kleine Videos mit ihm zusammen. Und auch Steffi (unsere Pflegefachkraft) wurde noch mit Bild und Ton aufgenommen. Um etwa 16.15 Uhr war alles im Kasten. Die Journalistin musste sich nun ganz schön sputen, weil der Beitrag schon um 17.30 Uhr laufen sollte. Es hat aber ganz offensichtlich geklappt. Den Beitrag zum Nachschauen findet ihr hier: SAT1NRW

Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie der endgültige Beitrag ist. Die Journalistin war ja fast 2 Stunden da, hatte so ungefähr 20 Minuten Videomaterial und am Ende kommt ein 2-Minuten-Beitrag dabei heraus. Wir sind insgesamt aber sehr zufrieden mit dem Beitrag und hoffen, dass er ein bisschen zur Aufklärung zu diesem Thema beiträgt.

Wir haben mittlerweile schon einige Angebote wegen Desinfektionsmittel erhalten. Das ist wirklich superlieb. Aktuell haben wir aber noch genug! Wir würden uns melden, wenn es bei uns oder bei den von uns betreuten Kindern leer wird. Wir warten erstmal ab, wie es sich entwickelt.

Julian selber hat sich den Beitrag gestern schon drei Mal angeschaut. Wir hatten den Eindruck, dass er es echt toll findet, sich selber im Fernsehen zu sehen. Und unser großer Sohn Bjarne ist natürlich eh sehr stolz, dass wir wieder im Fernsehen waren. Dieses Mal war er nicht mit im Bild. Bei einem Beitrag im letzten Jahr hat er auch selber etwas gesagt.

Falls euch die Beiträge aus dem letzten Jahr interessieren, könnt ihr hier mal schauen:

http://bit.ly/TD-WDR

http://bit.ly/TD-MoMa

http://bit.ly/TD-SAT1

http://bit.ly/TD-FAKT

 

Julian und Corona – ein Aufruf

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Das bin ich (Kathrin) mit meinem Sohn Julian.

Julian hat aufgrund seiner Muskelkrankheit ein Tracheostoma. Das ist quasi ein Loch in der Luftröhre, in dem eine Kanüle steckt. Über diese Kanüle atmet er, wird zeitweise mit einer Maschine beatmet und es wird mehrmals täglich Sekret abgesaugt. Durch das Loch hat er also einen direkten Zugang zu seiner Lunge. Im Normalfall ist der Zugang mit einem Filter geschützt. Das ist das weiße Teil, das man auf dem Foto am Hals sieht. Man nennt es auch „feuchte Nase“ und es übernimmt die Filterfunktion, die sonst die Nase übernimmt. Alles schick. Normalerweise…

Nun ist es aber so, dass der Filter ab und an herunterfällt (manche halten einfach nicht… 😏), er sich das Teil herunterzieht (Julian ist halt ein Kind 😅) oder von unseren Pflegefachkräften 👩‍⚕️👨‍⚕️ abgenommen wird, um Sekret abzusaugen oder um zu inhalieren. Dieses Absaugen ist überlebenswichtig für ihn. Sitzt die Kanüle zu, kann er nicht atmen und was dann passiert, könnt ihr euch denken. Falls nicht, haltet einfach mal mehrere Minuten die Luft an….

Sobald der Filter abgenommen ist, besteht also wirklich ein ungeschützter Zugriff auf seine Atemwege. Sämtliche Keime – Bakterien, Viren – können dann ungehindert in seine Lunge kommen. Daher ist es WIRKLICH IMMENS WICHTIG, dass dieser Vorgang steril abläuft. Dazu benötigt man – oh Überraschung – Desinfektionsmittel und sterile Handschuhe sowie ggf. Mundschutz 😷, damit unsere Pflegefachkräfte nicht versehentlich Keime an Julian abgeben. Ein einfaches Händewaschen reicht hier nicht aus!! Irgendwie auch logisch oder?

Nach Rücksprache mit unserem Kinderarzt können wir im Moment nicht abschätzen, welche Auswirkung das Corona-Virus auf Julian hat. Einerseits scheinen Kinder eher weniger anfällig zu sein. Andererseits ist Julian aufgrund seiner sonstigen Erkrankungen immunschwächer und durch das Tracheostoma einfach wesentlich gefährdeter. Schon eine normale Erkältung haut ihn um und er reagiert mit Fieber 🤒 und Sauerstoffbedarf.

Also Leute. Lasst die Finger vom Desinfektionsmittel sowie Handschuhe / Mundschutz. Für Kinder wie Julian und viele andere Patienten ist das ÜBERLEBENSWICHTIG. Es reicht, wenn ihr euch normal und vernünftig lange die Hände wascht. Das finde ich übrigens auch ohne Corona schon appetitlicher…

Und dann: Beruhigt euch mal wieder. Julian geht auch weiterhin in den Kindergarten und nimmt am Leben teil. Auch ihn können wir nicht wegsperren. Nur Massenveranstaltungen vermeiden wir tatsächlich und wir desinfizieren uns auch eher mal die Hände. Aber ansonsten machen wir alles wie gehabt.

Eigentlich sind wir diejenigen, die Panik schieben könnten. Tun wir aber nicht. Aus Erfahrung wissen wir nämlich: Es führt zu nichts! Man regt sich über ungelegte Eier auf. Das lohnt sich nie!!

Also einfach mal wieder locker bleiben. Keine Panikkäufe, kein Desinfektionsmittel, nix. Dafür lieber mit Sport, viel frischer Luft und gesunder Ernährung sein Immunsystem auf Vordermann bringen, damit ihr selber gesund bleibt.
Das hat noch einen schönen Nebeneffekt: Je mehr Menschen gesund bleiben, desto geringer ist die Wahrscheinlickeit, dass Kinder/Menschen wie Julian sich anstecken können. ✌️
Vielen Dank! 🙏

Der Beitrag darf gerne geteilt werden.

Schule, Kindergarten und Talker

Heute war ein großer Tag für Julian und eigentlich sogar für beide Kinder.

Als erstes haben wir den großen Bruder bei der weiterführenden Schule angemeldet. Im Sommer geht es für ihn aufs Goerdeler-Gymnasium in Paderborn.

Anschließend sind wir mit Julian zum St. Christophorus Kindergarten nach Sennelager gefahren. In diesen Kindergarten gehen Kinder mit und ohne Behinderungen. Wir hatten im vergangenen Jahr schon einmal überlegt, damit zu starten, aber letztendlich festgestellt, dass es noch zu früh. Julian ist sehr schnell angestrengt, wenn es zu laut und trubelig wird. So langsam merken wir aber, dass es besser wird und – eher noch – dass es ihm zu Hause zu langweilig wird. Also geht es auf zum nächsten großen Schritt.

Der Kindergarten hat uns sehr gut gefallen und alle, die dort waren, schwärmen davon. Die Kinder sind in gemischten Gruppen und auch schwerst mehrfach behinderte Kinder können dort aufgenommen werden – damit auch Julian. Es gibt Therapien von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden und natürlich auch sämtliche Möglichkeiten eines Kindergartens inklusive eines Malraums, wo die Kinder sich auf großen Plakaten, die an der Wand hängen, austoben können.

Julian ist mit seinem Rolli durch den Trubel gefahren und man konnte ihm richtig ansehen, wie fasziniert er davon war. Wir können uns also sehr gut vorstellen, dass er sich dort wohlfühlen wird. Die Anmeldung haben wir schon ausgefüllt und jetzt heißt es Daumen drücken, dass alles glatt läuft und er dort ab Sommer hingehen kann. So hat er noch ein volles Jahr Kindergarten, bevor es für ihn nächstes Jahr dann ebenfalls in die Schule geht. Für den Kindergarten gibt es auch einen Fahrdienst, so dass Julian direkt von zu Hause abgeholt und nachmittags wiedergebracht wird. Das klingt insgesamt alles sehr gut und so hoffen wir sehr, dass es klappt.

Damit waren die Spannungen des Tages aber noch nicht beendet: Mittags kam die Beraterin von RehaVista. Wir haben eine Genehmigung für einen Talker erhalten. Mit Hilfe des Gerätes kann Julian kommunizieren lernen. Aktuell kommuniziert er ja nonverbal durch diverse Körperbewegungen – die sind – gerade bei komplexeren – Themen nicht immer eindeutig, so dass das Kommunikationsdefizit immer mehr zu einer Herausforderung wird. Teilweise äußert er seinen Unmut und wir wissen einfach nicht, was er uns mitteilen möchten. Dadurch ist er natürlich frustriert und wir auch. Es zerrt tatsächlich sehr an den Nerven.

 

Somit erhoffen wir uns natürlich eine Menge von seinem Talker. Wir haben ihn zunächst ganz einfach eingestellt: es gibt genau vier Tasten – mit einer kann er Hallo sagen und mit den anderen drei kann er mitteilen, was er möchte. Gesteuert wird das ganze über die roten und blauen Buttons. Mit dem roten wählt er eins der Bilder aus und mit der blauen kann er die Sprache auslösen, so dass eine Kinderstimme z.B.  sagt „Hallo. Wie geht es dir?“. Damit werden wir nun fleißig üben. Im ersten Schritt geht es erstmal nur darum, dass wir darauf reagieren – also bei der Frage oben antworten, wie es uns geht. Und bei den Anweisungen natürlich ebenfalls darauf reagieren.

Das wäre wirklich ein riesen-, riesengroßer Schritt für ihn und für uns. Alle, die Kinder haben, kennen die nonverbale Phase bei den eigenen Kindern in den ersten 1 bis maximal 2 Jahren. Ab da können sich die meisten Kinder ja schon echt gut ausdrücken. Bei Julian hält diese Phase nun schon 5,5 Jahre an und aktuell ist da noch kein Ende in Sicht. Also heißt es nun, fleißig mit Julian üben. Es wäre ein echter Traum, mit Julian richtig zu kommunizieren. Also heißt es auch hier: Daumen drücken.

Den Talker können wir komplett selber konfigurieren. Neben der einfachen Steuerung über die Bilder, können natürlich auch komplexere Themen eingebaut werden. Mit verschiedenen Ebenen, Seiten, Einbindung von Bildern, Musik, Text und natürlich bis klassisch zum Alphabet hin, sind noch sehr, sehr viele Möglichkeiten gegeben. Besondere Freude wird es beiden Kindern bereiten, dass das Gerät W-Lan hat und sie ab sofort die abendlichen Videos auf Julians Gerät schauen können.  

Das nun als kleines Update von uns. Wir geloben Besserung mal wieder häufiger etwas von uns hören zu lassen. Wir waren zum einen mit der Petition und vor allem aber auch mit den Auswirkungen des Pflegenotstands beschäftigt. Gerade in den Monaten Januar und Februar haben wir hohe bis sehr hohe Krankenstände bei unseren Mitarbeitern. Wir versuchen alles möglich zu machen, aber ab und an fällt dann doch ein Dienst aus, weil wir ihn nicht abdecken können. Und dann sind natürlich die Eltern gefordert. Auch bei Julian sind wir nicht davor geschützt, so dass wir die ein oder andere Schicht alleine gemacht haben. Wer hier unterstützen möchte und es noch nicht getan hat, kann gerne unsere Petition unterschreiben und verteilen: www.openpetition.de/!kinderhilfe.

Unterstütze unsere Petition

Seit der Gründung von Team DAVID im Jahr 2015 erleben wir tagtäglich den realen Pflegenotstand und daher wissen wir, wie schwierig es in diesem Bereich in Deutschland ist.

Wir möchten das Thema nun gerne in die Öffentlichkeit bringen, daher haben wir vor knapp zwei Wochen unsere Petition online gestellt. Seitdem haben wir bereits sehr viel Zuspruch erhalten.

Damit die Petition politisch relevant wird, benötigen wir 50.000 Unterschriften. Das können wir unmöglich alleine schaffen. Daher brauchen wir ganz viele Unterstützer, die sowohl unterschreiben als auch die Petition weiter verbreiten. Lasst uns gemeinsam aus der kleinen Welle eine richtig große Welle machen.

Unterschrieben werden kann online unter https://www.openpetition.de/petition/online/behinderte-und-schwerkranke-kinder-in-deutschland-brauchen-unsere-unterstuetzung oder auch offline – im Team DAVID Büro (Sighardstr. 45, 33098 Paderborn)  oder mit Hilfe der Unterschriftenbögen, die in der Petition heruntergeladen werden können.

Vielen Dank für die Unterstützung!

Zirkuskinder

Am vergangenen Wochenende waren wir im Zirkus! Allerdings nicht als Zuschauer sondern tatsächlich als Artisten in der Manege. Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst in Paderborn hatte alle Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern zum Zirkus eingeladen. Mit dem Zirkus Balloni hatten sie einen Zirkus gefunden, der sich auch mit erkrankten Kinder auskennt.

Am Samstag morgen ging es los. Julian war schon vorher ziemlich aufgeregt. Seine Aufpasserin Liane, sein Bruder Bjarne und ich aber auch – Zirkusartist wird man schließlich nicht alle Tage. 😉 Nach einem Aufwärm- und Kennenlernspiel konnten wir an verschiedenen Stationen die verschiedenen Möglichkeiten kennen lernen: Drahtseil, Jonglieren, Fakire, Akrobatik & Balance. Außerdem natürlich Clowns und Zauberer. Nach einer stärkenden Mittagspause konnten wir uns aussuchen, an welche Zirkusnummer wir mitmachen wollte. Bjarne, Julian und ich haben uns für Akrobatik&Balance entschieden. Das schöne bei den Balance-Übungen war, dass es auch für Julian eine Möglichkeit mitzumachen. Also haben wir Samstag Nachmittag und Sonntag Vormittag in Kleingruppen unsere Aufführung eingeübt. Dazwischen gab es auch immer genug Zeit zum Reden und Ausruhen, so dass es auch für Julian gut geklappt hat.

Am Sonntagnachmittag um 14 Uhr startete dann die große Aufführung, zu der natürlich auch Philipp kam. Wir hatten noch Oma, Opa, Julians Cousine und unseren Nachbarn Bescheid gesagt, so dass wir einen ganz beachtlichen Fanclub zusammen hatten. Die wunderbare Zirkusdirektorin Elke führte durch das Programm. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn Menschen voll in ihrem Element sind und dabei aufgehen. Elke als Oberhaupt des Zirkus gehört dazu.

Wir waren mit unserer Aufführung als drittes dran und es hat überraschend alles richtig gut geklappt – auch Dinge, die in den Proben vorher nie funktioniert haben. Richtig klasse. Bjarne hatte einen Einzelauftritt auf einem Brett auf einer Rolle. Das ist gar nicht so einfach und ich bin im Training direkt mal davon abgestürzt. Bei Bjarne hat es aber richtig gut geklappt und er konnte neben der Balanceübung auch noch einen Reifen an seinem Arm zum Drehen bringen. Das sah schon echt toll aus.

Kurz danach hatte Julian seinen großen Auftritt. Die große Rolle wurde auf die Matte gerollt und ich habe ihn mit dem Bauch darauf gelegt. Ich habe ihm dann gesagt, dass er den Kopf hochstrecken soll und siehe da: Er hat es gemacht und quasi den Flieger auf der Rolle gemacht. Das Publikum war echt begeistert, weil sie das wahrscheinlich nicht vermutet haben. Bis dahin saß er ja lediglich in seinem Buggy. Beim Applaus streckte Julian sich noch mehr und hob den Kopf noch ein Stück. Das war echt süß und auch vorher im Training hat ihn der Applaus sehr motiviert. Wir sind alle sehr stolz auf ihn. Witzigerweise ist das eine der Übungen, die er bei der Physiotherapie auf einem großen Gymnastikball macht – wir wussten bis dahin nicht, dass Julian im Grunde die ganze Zeit für seinen großen Zirkusauftritt geübt hat.

Auch unsere anderen Kunststücke wie diverse Pyramiden haben super geklappt und es sah wirklich toll aus. Anschließend kamen die anderen Gruppen mit ihren Darbietungen dran. Es war wirklich schön zu sehen, wie viele Freude alle hatten und wie toll die Integration der kranken Kinder geklappt hat. Es war so wunderbar selbstverständlich und jeder hat das gezeigt, was er konnte.

Diese Veranstaltung wurde aufgrund einer Spendenaktion der Zeitung ermöglicht – an dieser Stelle herzlichen Dank an alle Spender. Wir hatten zwei richtig schöne und unbeschwerte Tage. Und in der Zeitung standen wir auch mit einer unserer Pyramiden – das fand insbesondere Bjarne richtig toll.

Tja, was ist es wohl …?!

Eltern kennen das: um (insbesondere das erste) Baby tanzt man noch häufig herum. Es scheint ihm irgendwie nicht gut zu gehen, aber was genau hat es denn nun? Müde? Hunger? Schmerzen? Und wenn Schmerzen: dann wo genau? Was ist die Ursache?

Nun ist die normale Entwicklung und dass sich dieser Zustand normalerweise rasch ändert, schon eine dankbare Entwicklung. Bereits der einjährige Nachwuchs zeigt zielsicher mit dem Finger auf ein Körperteil mit dem Kommentar: „Aua!“. Das hilft ja schon mal weiter. Natürlich hebt alsbald auch die gezielte Fehlinformation an: „Nein! Ich bin überhaupt nicht müde.“.

Was aber, wenn der erste Zustand des Rumratens um jedwede Unmutsäußerung ohne eine gezielte Aussicht auf Änderung einfach anhält?! Was macht das mit einem?

Eltern in einer Situation mit bestimmten besonderen Kindern wissen es ziemlich genau: Es zermürbt! Als Eltern will man natürlich alles in seiner Macht stehende tun, damit es dem eigenen Nachwuchs auch gut geht und er an nichts leidet. Wenn das aber jedes Mal eine totale Herausforderung ist, weil man einfach nicht weiß, was denn nun fehlt. Wenn viele unzufriedene Zusammenkrümmungen des eigenen Sprosses in Try-and-Error-Ketten ausarten, zu dem ganz viele Parteien alle etwas gut gemeintes beitragen, eventuell noch weitere Berater wie Ärzte etc. hinzugezogen werden … Meist dauert es nicht ganz so lange, und man wird ja auch Experte im Deuten kleiner Details. Was aber immer bleibt, ist Unsicherheit. Eben nicht manchmal und in Ausnahmefällen, sondern immer. Und da dieser Umstand eben dann doch wieder nicht so unterschiedlich ist zum „normalen“ Großziehen von Kindern ist, herrscht auch viel unausgesprochenes Unverständnis: „Dann probiert man eben auch noch den Kümmeltee, nach Körnerkissen, Sab Simplex, Bauchmassage, Nahrungsumstellung … – sie wollen ja auch, dass es dem Kind gut geht?! Wo ist das Problem?!“. Das Problem besteht darin, dass es erstens nicht mal klar ist, ob es überhaupt Bauchschmerzen sind und zweitens, dass diese oder ähnliche Ketten von Versuch-und-Irrtum einfach so häufig anstehen. Daher ist die Situation per se angespannt. Das strengt einfach sehr an – und diese Anstrengung ist im Einzelfall von außen gar nicht nachvollziehbar.

Erschwerend kommt irgendwann dazu, dass man auch noch unterscheiden muss, wann eine Unmutsäußerung weniger einen tatsächlich körperliche Ursache hat, als vielmehr das ganz normale Austesten von Grenzen ist. Auch das gilt es natürlich auseinander zu halten, da Erziehung besonderer Kinder eine sehr besondere Aufgabe ist. Das kann man ihnen gar nicht verübeln: Sie sind es halt gewohnt, dass immer jemand da ist, alles tut, was man will und braucht … Immer und selbstverständlich. Das ist gar nicht mal so gut für die Charakterbildung und eine erzieherische Herausforderung Par excellence.

Letztlich braucht es Geduld – in der XXL-Packung. Geduld zur immer wieder genauen Beobachtung, Geduld auch den 100. Tipp wichtig zu nehmen und zu prüfen, Geduld auch und gerade für das besondere Kind selbst, was sich nicht so mitteilen kann, und allein deshalb – verständlicherweise – ausrasten könnte. Geduld von den Familien, das zusammen und dauerhaft auszuhalten.

Auf dem Weg der Besserung!

Der große Sohn ist gesundet und geht auch schon wieder zur Schule.

Julian hatte von Montag auf Dienstag eine richtig schlechte Nacht. Er hat kaum geschlafen, ständig gespuckt und ihm ging es offensichtlich nicht gut. Und generell ist er natürlich nicht gerne im Krankenhaus. Das Röntgenbild und die Atemgeräusche haben die Lungenentzündung übrigens bestätigt.

Gestern Vormittag wurde es dann aber dann besser. Das Antibiotikum schlug an. Den Tag über wurde es auch weiter besser und ab 17 Uhr schlief er dann. Und das hat sich bis ungefähr 7 Uhr heute morgen nahezu nicht geändert. Das ist ein deutliches Zeichen, dass es ihm besser geht. Julian schläft dann einfach bis es ihm wieder richtig gut geht. Heute morgen war er dann auch wach und wir konnten ihn schon wieder etwas aufsetzen. Um 10 Uhr kam die Physiotherapeutin zur Atemtherapie. Julian kennt sie noch von früher und er mag sie sehr gerne. Er hat sich dabei so entspannt, dass er prompt wieder eingeschlafen ist. 😴

Jetzt gucken wir mal, wie lange er noch im Krankenhaus bleibt. Bisher bekommt er das Antibiotikum noch IV (also über die Vene). Das müsste ja mindestens noch umstellen. Außerdem steht ggf. noch eine Bronchoskopie im Raum. Wir schauen mal – erstmal sind wir total froh, dass es ihm wieder so viel besser geht.

Unterwegs…

Wir fahren heute nach Mönchengladbach zum 70. Geburtstag von Julians Opa. Mit Julian unterwegs zu sein, kommt einem kleinen Umzug gleich: Neben Kind und Rehabuggy benötigen wir den speziellen Auto-Kindersitz, das Absauggerät, Notfallset (mit Ersatzkanüle, Spreizer, Ambubeutel, etc.), Spucktücher, spezielles Halstuch für die Kanüle, Absaugkatheter in verschiedenen Größen, sterile Handschuhe, Müllbeutel, Pampers, Feuchttücher, Wechselklamotten, Mittagessen, Zwischenmahlzeit, Wasser, Spritzen (um das Essen zu sondieren), Inhaliergerät, Sauerstoff (nur im Notfall), Sprechventil, Augentropfen, Augensalbe, Augentapes und natürlich Jacke, Mütze und Handschuhe.

Der große Bruder ist für die Fahrt ausgestattet mit Spielsachen. Auf meine Frage, ob wir Spielsachen für Julian mit haben, antwortet Julians Aufpasserin trocken: „Er hat seine Sonde“. Und tatsächlich daran spielt er herum und lauscht dabei den Geschichten die DJ Bjarne anmacht.

Achja. Wir fahren übrigens in einer V-Klasse. 😅