Firlefanz und Gewohnheitstiere

Da sitzen wir nun seit fast 10 Wochen mit Home-Office, Home-Schooling und Home-Kindergarding zu Hause und wissen manchmal nicht, wo uns der Kopf steht, weil wir versuchen alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben mit Plänen gearbeitet, um für alle fest definierte Arbeits- und Pausenzeiten hinzubekommen. Wir haben die Räume aufgeteilt und aus einem Teil des Schlafzimmers ein weitere Büro gezaubert. Wir haben uns eingegrooft und jede Mahlzeit zusammen eingenommen. Die Kinder haben um 11.30 Uhr die Sendung mit der Maus geguckt und noch viele, viele neue Rituale sind dazu gekommen. Ich war oft genervt, weil ich im 10-Minuten-Takt durch irgendwen gestört wurde oder weil es einfach so laut im Haus war.

Und heute? Heute ist Julian das erste Mal wieder im Kindergarten. Er wurde um 7.30 Uhr vom Fahrdienst abgeholt – so wie früher. Und ist im Kindergarten – so wie früher.

Und wir? Laufen ein bisschen wie Falschgeld durchs Haus. Kein Julian, der unten im Wohnzimmer mit den Füßen auf seinem Rolli trappelt, weil er die Maus gucken möchte. Kein Julian, der im Stehtrainer mit seinem Laptop spielt. Kein Julian, der uns über die Füße fährt, weil er die Pflegekraft „fragen“ möchte, ob sie einen Kaffee möchte. Kein juilanspezifisches Fauchen, weil wir irgendwas machen, was er nicht möchte… Selbst unsere Haushaltsfee vermisst ihn. Als sie heute morgen reinkam, wollte sie als erstes Julian begrüßen. Die Enttäuschung, dass er nicht da ist, stand ihr im Gesicht geschrieben.

Es ist so verrückt und gleichzeitig so faszinierend, wie sehr wir Menschen doch Gewohnheitstiere sind. Im Allgemeinen benötigt man 3 Wochen bis 30 Tage, damit aus einer neuen Aktivität eine Gewohnheit wird. Da sind wird schon lange drüber hinweg. Und so ist es auch. Natürlich freuen wir uns auch darüber, dass Julian endlich wieder mehr Action im Kindergarten hat. Und wir sind auch froh, dass wir ab sofort donnerstags und freitags wieder mehr Ruhe im Haus haben. Doch es ist erst wieder eine Umstellung und fühlt sich heute erstmal richtig merkwürdig an.

Und so wird es in der nächsten Zeit wohl weiter gehen. Am Montag geht unser großer Sohn wieder zur Schule. Und es dauert sicherlich nicht mehr lange, bis auch mein Mann aus dem Home-Office tageweise zurück in die reale Arbeitswelt geht. So gehen die lieb gewonnenen Rituale wie das gemeinsame Kaffeetrinken um 9.30 Uhr flöten. Es ist echt spannend, das zu beobachten.

Wie sieht es bei euch aus? Welche Gewohnheiten habt ihr in den letzten 10 Wochen dazu gewonnen, die ihr dann vielleicht vermissen werdet?

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