Beatmungsgerät

Wenn ich abends an der Zimmertür meines Sohns vorbeikomme, höre ich das leise regelmäßige Fauchen seines Beatmungsgerät. Für mich ist das mittlerweile ein sehr beruhigendes Geräusch. Dann weiß ich, dass er ruhig und tief schläft und die Beatmung zulässt. Für ihn ist das Gerät lebenswichtig, da er nur durch diese Ruhephasen in der Nacht, tagsüber so aktiv sein kann, wie er ist: Rollifahren; bis gestern in den Kindergarten gehen; Keyboard spielen; mir über den Fuß fahren, wenn ich ihm keine Bilder auf dem Handy zeige; immer wieder versuchen, die Figuren auf die Toniebox zu stellen; seinen Bruder anfauchen, weil der den Fernseher nicht schnell genug anmacht usw.

Dass das Geräusch nun so beruhigend für uns ist, war früher natürlich nicht. Als Julian geboren wurde – im Oktober 2013 – konnte er quasi gar nichts. Er kam 10 Wochen zu früh auf die Welt und hatte diverse Probleme. Er wurde von Beginn an beatmet und im Alter von 7 Wochen bekam er sein Tracheostoma – ein Schnitt in die Luftröhre, in die eine Kanüle gelegt wurde. Über diese Kanüle wurde er damals 24 Stunden lang voll beatmet. Das Geräusch des Krankenhaus-Beatmungsgerät war nicht so beruhigend. Ehrlich gesagt, mochte ich es nicht besonders, weil es mir gezeigt hat, dass mein Sohn die vermeintlich einfachste Sache des Lebens nicht konnte: Atmen.

Sobald das Beatmungsgerät abgemacht wurde oder sich Sekret im Hals gebildet hat, gingen schlagartig seine Herztöne und Sauerstoffsättigung herunter. Das hatte diverse Piepgeräusche vom Monitor zur Folge. Und ich erinnere mich auch noch zu gut an das hektische Getrappel der Füße sowie die knappen Rufe „Notfall in 1“ der Pfleger und Ärzte auf der Station.

Noch heute kenne ich jedes Geräusch von der Intensivstation. Mittlerweile schocken sie mich nicht mehr. Wir haben insgesamt 5 Monate auf zwei verschiedenen Intensivstationen verbracht und auch danach waren wir diverse Male da.

Was ich aber noch sehr genau weiß, ist das Gefühl, wenn man vor der Intensivstation steht. Dort standen wir viele, viele Male. Du klingelst, du wirst rein gelassen und du versuchst direkt anhand der Gesichter der Pfleger und/oder Ärzte herauszufinden, wie es deinem Kind kennt. Leider hatten wir – gerade zur Anfangszeit – sehr, sehr oft, besorgte Blicke der Pfleger/Ärzte und auch einige Male fast hilflose Blicke, weil niemand wusste, ob und wie es mit Julian weitergehen kann. Und die vielen Situationen, bei denen Julian echt kurz davor war, es nicht zu schaffen, können wir kaum noch aufzählen. Gerade die ersten Wochen waren eine absolute Achterbahnfahrt.

Ganz ehrlich – ich wünsche diese Erfahrung wirklich niemanden! Ein Beatmungspatient auf einer Intensivstation ist kein Spaß. Ja, wir haben viele Möglichkeiten in unserem Gesundheitssystem und wir haben wirklich viele wundervolle Menschen, die einen grandiosen Job machen und tagtäglich das Leben von Menschen retten. Aber wenn wir nur einen einzigen Menschen davor bewahren können, diese Erfahrung zu machen, dann sollten wir das tun!

Also: Bleibt möglichst zu Hause, wascht euch die Hände und kümmert euch um die, die eure Hilfe brauchen.

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